Go/No-Go bei Ausschreibungen: in 30 Minuten entscheiden, ob sich ein Angebot lohnt

Von Sebastian LöfflerStand: Oktober 2026Lesezeit: 7 Minuten
Inhalt dieser Seite
  1. Was Go/No-Go ist
  2. Wann Sie entscheiden
  3. Die fünf Fragen
  4. Bewertungsmatrix
  5. Checkliste
  6. Typische Fehler
  7. Häufige Fragen

Ein Angebot auf eine öffentliche Ausschreibung kostet schnell mehrere Arbeitstage. Die Go/No-Go-Entscheidung, auch Bid/No-Bid genannt, klärt vorher, ob Sie die Anforderungen erfüllen, ob Sie realistisch gewinnen können und ob sich der Auftrag rechnet. Wer früh und nach festen Kriterien entscheidet, gibt weniger, aber bessere Angebote ab.

Was die Go/No-Go-Entscheidung ist

Go/No-Go ist die bewusste Entscheidung, ob Ihr Unternehmen auf eine konkrete Ausschreibung ein Angebot abgibt. Sie fällt, nachdem eine Ausschreibung gefunden wurde und bevor die eigentliche Angebotsarbeit beginnt. Im Bid-Management heißt derselbe Schritt Bid/No-Bid oder Bid-Qualifizierung.

Viele Unternehmen entscheiden aus dem Bauch: Der Auftraggeber ist bekannt, das Thema passt ungefähr, also wird geboten. Das Ergebnis sind Angebote, die an einem fehlenden Nachweis scheitern oder gegen einen Wettbewerber verlieren, der den Auftrag seit Jahren hält. Eine strukturierte Entscheidung verhindert genau das.

Wann Sie entscheiden sollten

Am besten in zwei Stufen:

  1. Erste Sichtung (5 bis 10 Minuten) direkt nach dem Fund, anhand der Bekanntmachung. Passen Leistung, Region, Laufzeit und grobe Größenordnung? Gibt es offensichtliche Ausschlussgründe?
  2. Entscheidung nach den Vergabeunterlagen (20 bis 40 Minuten), sobald die Unterlagen vorliegen. Jetzt prüfen Sie Eignung, Nachweise, Zuschlagskriterien, Vertragsrisiken und Fristen.

Spätestens wenn die Frist für Bieterfragen läuft, sollte die Entscheidung stehen. Dann bleibt Zeit, Unklarheiten mit der Vergabestelle zu klären.

Die fünf Fragen jeder Go/No-Go-Entscheidung

  1. Dürfen wir überhaupt bieten? Ausschlussgründe, Eignungskriterien, geforderte Nachweise wie Umsatz, Referenzen, Zertifikate und Versicherungen, Mindestanforderungen an das Personal.
  2. Können wir die Leistung erbringen? Kapazität im Ausführungszeitraum, Personal mit den geforderten Qualifikationen, Standort, Bedarf an Subunternehmern oder einer Bietergemeinschaft.
  3. Können wir gewinnen? Zuschlagskriterien und ihre Gewichtung (Preis oder Qualität), wer den Auftrag bisher hatte, wer in diesem Segment regelmäßig gewinnt und ob die Leistungsbeschreibung auf einen bestimmten Anbieter zugeschnitten wirkt.
  4. Lohnt es sich? Auftragswert, Marge, Laufzeit und Verlängerungsoptionen, Vertragsstrafen, Haftung, Zahlungsbedingungen und der strategische Wert, etwa ein neuer Auftraggeber oder eine wichtige Referenz.
  5. Schaffen wir das Angebot rechtzeitig? Abgabefrist, Aufwand für Konzepte und Formblätter, verfügbare Personen im Team.

Bewertungsmatrix: so wird aus Bauchgefühl eine Entscheidung

Bewerten Sie jedes Kriterium mit 0 (nicht erfüllt), 1 (teilweise) oder 2 (erfüllt) und gewichten Sie es nach Bedeutung. Muss-Kriterien sind K.-o.-Kriterien: Ist eines nicht erfüllt und bis zur Abgabe nicht heilbar, lautet die Antwort No-Go, unabhängig von der Punktzahl.

KriteriumArtGewichtBewertungPunkte
Eignung und alle geforderten Nachweise vorhandenMussK.-o.-Kriterium
Keine AusschlussgründeMussK.-o.-Kriterium
Leistung passt zum KerngeschäftSoll326
Passende Referenzen (Art, Umfang, Alter)Soll313
Personal und Kapazität im ZeitraumSoll224
Zuschlagskriterien liegen uns, z. B. hohe Gewichtung der QualitätSoll212
Wettbewerbslage (Bestandsanbieter, Zahl der Bieter)Soll212
Wirtschaftlichkeit und VertragsrisikenSoll224
Strategischer WertKann122
Summe1523 von 30

So lesen Sie das Ergebnis (Beispiel): ab 70 Prozent der möglichen Punkte Go, zwischen 50 und 70 Prozent Go mit Bedingungen, etwa einen Partner suchen oder eine Bieterfrage stellen, unter 50 Prozent No-Go. Im Beispiel sind es 77 Prozent, also Go. Die Schwellen legen Sie für Ihr Unternehmen fest und passen sie nach einigen Verfahren an Ihre Gewinnquote an.

Checkliste zum Abhaken

  • Abgabefrist, Frist für Bieterfragen und Bindefrist notiert
  • Verfahrensart und Lose geprüft, Teilangebot möglich?
  • Ausschlussgründe und Eigenerklärungen geprüft
  • Eignungskriterien Punkt für Punkt mit eigenen Nachweisen abgeglichen
  • Referenzen passend nach Art, Umfang und Zeitraum
  • Zertifikate bis zum Zuschlag gültig, z. B. ISO 9001 oder ISO 27001
  • Personal mit geforderten Qualifikationen verfügbar
  • Zuschlagskriterien und Gewichtung verstanden, Preisblatt gesichtet
  • Vertragsstrafen, Haftung, Gewährleistung und Zahlungsziele bewertet
  • Bisheriger Auftragnehmer und typische Wettbewerber recherchiert
  • Bedarf an Subunternehmern oder Bietergemeinschaft geklärt
  • Interner Aufwand geschätzt und Team benannt
  • Entscheidung mit Begründung dokumentiert: Go, Go mit Bedingungen oder No-Go

Typische Fehler

  • Zu spät entscheiden. Wer erst nach Tagen Konzeptarbeit merkt, dass ein Nachweis fehlt, hat die teuerste Variante gewählt.
  • Nur die Bekanntmachung lesen. Die entscheidenden Anforderungen stehen oft in Anlagen, Leistungsverzeichnis und Formblättern.
  • Den Wettbewerb übersehen. Zuschlagsbekanntmachungen zeigen, wer einen Auftrag bisher hatte und wer in Ihrem Segment gewinnt. Diese Daten sind öffentlich und werden selten genutzt.
  • Alles anbieten. Eine hohe Angebotszahl ist kein Erfolg. Entscheidend ist die Gewinnquote pro eingesetztem Arbeitstag.
  • No-Go nicht auswerten. Die Gründe für ein No-Go zeigen, welche Nachweise, Referenzen oder Partner Ihnen dauerhaft fehlen. Nach einer Absage gilt dasselbe.

Woher die Informationen kommen

  • Bekanntmachung und Vergabeunterlagen: Eignung, Fristen, Zuschlagskriterien, Vertragsbedingungen.
  • Zuschlagsbekanntmachungen in TED und im Datenservice Öffentlicher Einkauf: frühere Auftragnehmer, Vertragslaufzeiten, Zahl der Angebote und teilweise Auftragswerte.
  • Eigene Unterlagen: Referenzliste, Zertifikate, Personalprofile, frühere Angebote und deren Ergebnis.

Go/No-Go mit validait

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Häufige Fragen

Was bedeutet Go/No-Go bei Ausschreibungen?

Die Entscheidung, ob ein Unternehmen auf eine bestimmte Ausschreibung ein Angebot abgibt. Grundlage sind Eignung, Gewinnchance, Wirtschaftlichkeit und Aufwand.

Was ist der Unterschied zwischen Go/No-Go und Bid/No-Bid?

Es gibt keinen. Beide Begriffe meinen denselben Schritt im Bid-Management. Bid/No-Bid ist im englischsprachigen Raum üblicher.

Wie lange sollte eine Go/No-Go-Entscheidung dauern?

Eine erste Sichtung braucht 5 bis 10 Minuten, die Entscheidung auf Basis der Vergabeunterlagen 20 bis 40 Minuten. Mit Software, die Anforderungen und Fundstellen automatisch herauszieht, geht es schneller.

Welche Kriterien sind K.-o.-Kriterien?

Ausschlussgründe und Eignungskriterien, die Sie nicht erfüllen und bis zur Abgabe nicht erfüllen können, etwa fehlende Mindestumsätze, Referenzen oder Zertifikate. Manche Lücken lassen sich über eine Bietergemeinschaft oder Eignungsleihe schließen.

Wer sollte die Entscheidung treffen?

Eine Person mit Budget- und Personalverantwortung, gestützt auf die Einschätzung von Vertrieb, Fachbereich und Kalkulation. Wichtig ist, dass die Entscheidung dokumentiert wird.

Was bedeutet Bid-Management?

Die Steuerung des gesamten Angebotsprozesses: Ausschreibungen finden, Go/No-Go entscheiden, Angebot erstellen, abgeben und auswerten.

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Quellen
  1. Tenders Electronic Daily, Amtsblatt der EU. ted.europa.eu
  2. Datenservice Öffentlicher Einkauf. oeffentlichevergabe.de
HinweisDieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung. Im Einzelfall sollten Sie fachkundigen Rat einholen. Wir prüfen diese Seite regelmäßig auf Aktualität; den Rechtsstand finden Sie oben.